System Case: Integriertes Entscheidungssystem.
Systemanwendung in der Landwirtschaft
Einordnung
In großskaligen landwirtschaftlichen Betrieben entstehen Entscheidungen nicht isoliert.
Landnutzung, Produktion, Verarbeitung, Logistik, Märkte, Arbeitsorganisation und ökologische Rahmenbedingungen sind eng miteinander verknüpft.
Entscheidungen in einem Bereich wirken sich unmittelbar auf andere Bereiche aus, häufig mit zeitlichen Verzögerungen und nicht-linearen Effekten.
Der hier beschriebene Anwendungsfall steht exemplarisch für Anwendungsräume mit hoher Entscheidungsdichte, wie sie auch in anderen Transformationskontexten auftreten.
Der Anwendungsraum
Der betrachtete Anwendungsraum umfasst einen großflächigen landwirtschaftlichen Betrieb mit mehreren zehntausend Hektar Anbaufläche, integrierter Weiterverarbeitung und internationaler Marktanbindung.
Die landwirtschaftliche Produktion ist dabei Teil eines umfassenden Wertschöpfungssystems, das ökologische, soziale und ökonomische Anforderungen gleichzeitig berücksichtigen muss.
Der Betrieb ist in einem Kontext angesiedelt, in dem landwirtschaftliche Produktivität, nachhaltige Ressourcennutzung, Beschäftigung, regionale Wertschöpfung und internationale Lieferketten zusammenwirken.
Zielkonflikte zwischen Produktivität, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und sozialer Wirkung sind dabei strukturell angelegt und nicht isoliert auflösbar.
Entscheidungsdichte und Komplexität
Die Komplexität des Anwendungsraums ergibt sich aus der Vielzahl miteinander verbundener Entscheidungsfelder.
Einzelne Entscheidungen lassen sich nicht unabhängig treffen, sondern beeinflussen sich gegenseitig über verschiedene Ebenen hinweg.
Strukturierende Entscheidungsfelder:
- Landnutzung, Fruchtfolgen und Bodenmanagement
- Produktionsplanung, Erträge und Ressourceneinsatz
- Verarbeitung, Lagerung und Wertschöpfungstiefe
- Arbeitsorganisation, Qualifikation und Beschäftigung
- Stoffkreisläufe, Nebenprodukte und Abfallströme
- Absatzmärkte, Exportanforderungen und Preisvolatilität
- Finanzierung, Investitionen und langfristige Planung
Systemischer Ansatz
Der Ansatz der Systemanwendung besteht nicht in der Entwicklung einzelner Softwarelösungen, sondern in der Strukturierung des gesamten Entscheidungsraums, wie es dem grundlegenden Ansatz von expAIrience entspricht.
Ausgangspunkt ist die Modellierung der relevanten Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Rückkopplungen über alle Wertschöpfungsstufen hinweg.
Das digitale System bildet Entscheidungslogiken ab, anstatt Entscheidungen vorzugeben.
Dadurch wird sichtbar, welche Optionen bestehen, wie sie miteinander verknüpft sind und welche Auswirkungen sie über Zeit entfalten können.
Rolle digitaler Systeme
Digitale Systeme übernehmen in diesem Anwendungsfall eine strukturierende und analytische Funktion.
Sie unterstützen dabei, komplexe Zusammenhänge transparent zu machen, Szenarien vergleichbar darzustellen und Entscheidungsfolgen nachvollziehbar zu analysieren.
Zentrale Funktionen:
- Zusammenführung heterogener Datenquellen
- Abbildung von Entscheidungslogiken und Abhängigkeiten
- Szenarienbildung über Zeiträume hinweg
- Transparente Darstellung von Zielkonflikten
Zusammenarbeit und Verantwortung
Die Entwicklung der Systemanwendung erfolgt in enger Abstimmung mit den beteiligten Akteuren und folgt den Prinzipien der Zusammenarbeit, wie sie expAIrience in vergleichbaren Kontexten anwendet.
Fachliches Wissen, betriebliche Erfahrung und lokale Rahmenbedingungen bilden die Grundlage der Systemmodellierung.
Entscheidungen verbleiben stets in menschlicher Verantwortung.
Das digitale System wirkt als strukturierender Partner, der Orientierung bietet, ohne Entscheidungen zu automatisieren.
Status und Offenheit
Der Anwendungsfall befindet sich in der Phase der Systemkonzeption und schrittweisen Umsetzung.
Umfang, Prioritäten und konkrete Ausprägungen entwickeln sich iterativ entlang der realen betrieblichen Anforderungen.
Die Systemarchitektur ist bewusst modular und offen angelegt, um Anpassungen, Erweiterungen und Übertragbarkeit auf weitere Kontexte zu ermöglichen.